Tipp an „RZ-Lovers“
14. Februar 2010Equipment,Camera,Trips

Wollte an alle, die nach wie vor gerne zur Mamiya RZ greifen, folgenden Tipp weitergeben. Ich habe neulich bei der Firma ARRI einen "Augenmuschelschoner" entdeckt, der auch auf die Gummiaugenmuschel des RZ-Suchers passt. Fühlt sich toll an der Augenhöhle an und soll auch noch bei schweißtreibender Arbeit verhindern, das das Okular beschlägt! Kostenpunkt Ca. 7,00 €.


4 x L = Business

Für ein paar Stunden ist alles anders. Das Telefon wird umgestellt. Das Notebook zugeklappt. Der Terminkalender leer geräumt. Alle haben Zeit. Man hat sich fein gemacht. Die Stimmung ist gelockert. Die eine oder der andere ist vielleicht sogar etwas aufgeregt. Ein rundum perfektes Szenario, das ich regelmäßig erlebe, wenn ich die Welt der Wirtschaft betrete. Um diejenigen in Szene zu setzen, die hier das Heft in der Hand halten. Um die Regie für jene zu übernehmen, die sonst selbst Regie führen.
Bei einem Business-Shooting kommt man um den Buchstaben L nicht herum. Um die Location, das Licht, den Look und die Laune. Die Location schaue ich mir schon vorher an. Wie steht der Schreibtisch? Wohin geht das Fenster? Kann man einen weißen Hintergrund aufstellen? Passen da auch alle rein? Wo ist Platz für das Equipment? Das Licht mache ich zusammen mit dem Assistenten. Nicht immer braucht es neun Blitzlampen wie beim Gerry Weber-Vorstand. Aber so zwei, drei Leuchten sind schon wichtig. Ein einziger Spot kann alles ändern. Beim richtigen Look will manch einer erst überzeugt werden. Wer vor der Kamera so wie im richtigen Leben aussehen möchte, braucht etwas Styling. Darum kümmert sich der Make up Artist. Der (oder die) tut nicht weh, und man merkt es eben beim Ergebnis. Kommen wir zur Laune, die ja erstmal gut ist. Dass sie das bleibt, dafür bin ich zuständig. Auch wenn die Vorbereitung stimmt, kann es mal ein bisschen dauern. Bei Gruppenaufnahmen und Einzelportraits in Serie bis zu einem ganzen Tag. Da helfen kleine Geschichten. Kurze Pausen. Die richtige Mischung aus Ruhe und Dynamik. Bis die Damen und Herren so seriös, verbindlich, entscheidungsstark, bestimmt, klar, harmonisch, weitsichtig, zupackend, kompetent, führungsstark, freundlich, offen, erfahren und souverän rüberkommen, wie es der Anlass erfordert.




Bei den Bildern für den neuen Internetauftritt von Frau Rechtsanwältin Breuer, das Pressematerial von Herrn Dr. Heinemann bei der Sanofi Aventis AG und den Geschäftsbericht der Gerry Weber AG hat das jedenfalls bestens funktioniert. Wie bei vielen anderen im kleinen und großen Business auch. Es lohnt sich eben immer, wenn dort für ein paar Stunden alles anders ist.
Coke Fridge – oder was kostet ein Lächeln?

„ Ein Shooting mit einem Kühlschrank und zwei Promoterinnen. Wie viel kostet das? Und wann können wir’s machen? Bitte sofort kalkulieren!“ Wenn so eine Agenturanfrage mit Grobbriefing kommt, bin ich immer froh, dass es nicht die erste ihrer Art ist. Dass ich genug Platz im Studio habe und das richtige Equipment dafür, das wissen sie ja. Aber ich ahne schon, dass es meist ein bisschen mehr ist, was am Ende gebraucht wird. Dieses Bild noch. Vielleicht jene Pose. Nur als Reserve, zur Sicherheit. Klar, mit Kühlschrank. Dann mit einzelner Flasche. Oh ja, beide zusammen mit dem Kistenstapel, das ist doch attraktiv. Fast automatisch stelle ich mich darauf ein, dass neben der Promotion-Agentur vielleicht noch eine zweite, sagen wir mal die Online-Agentur, ein Wörtchen mitzureden hat. Die hat das Detailbriefing. Kennt das Medium ganz genau. Und dann gibt’s auch noch den Kunden. Der weiß ja am besten, was er möchte. Alle sollen glücklich mit dem Shooting werden, nicht nur ich. Jetzt schon mal vorbereiten. Da ist der Kühlschrank-Prototyp, kommt aus Slowenien. Schön schwarz, es geht ja um Coke zero. Kann man schon mal einleuchten. Erst geschlossen, dann geöffnet und bis oben hin befüllt. Nun zu den Kisten, die sind rot wie üblich. Wie stellen wir sie hin? Wo ist Platz für die Girls in den schwarzen Minis? Bringen die ihre roten Gürtel selbst mit? So vergeht die Zeit. Ab und zu ein Anruf. Spontane Ideen. Kleine Änderungen. Gute Anregungen. Die und der möchten auch dabei sein. Was nicht ausdrücklich gesagt wird, könnte umso wichtiger sein. Das heißt: voraus denken, bereit sein fürs Umschwenken, sich präparieren auf das beinah Unmögliche. Ergo: schnell, flexibel und gelassen muss er sein, der Fotograf. Im Vorfeld, in der Kommunikation und natürlich dann, am Tag X. Ach ja, und lächeln sollte er. Das tut allen Beteiligten gut, überträgt sich auf die Bilder und rundet den Auftrag ab.




Das Coke Fridge Shooting jedenfalls war ein voller Erfolg. Ist online seit Dezember. Bringt Coke zero mit Designerkühlschränken, Jahresvorräten und iPods an Frau und Mann. Und hat auch noch ein paar schicke Fotos für Coca Cola light und die Fashion Week Berlin Promotion produziert. Alle sind glücklich. Ich lächele. Da klingelt das Telefon: „Was kostet ein Shooting mit..........?“

I shot the Dino……but I Didn’t Kill The Tree Behind Him!

Als ich Hans-Werner Sinn Ende 2004 für die Wirtschaftswoche porträtierte, konnte ich nicht ahnen, dass der Naturschutzbund Deutschland ihn nun zum „Dinosaurier des Jahres 2009“ küren würde. Aber irgendetwas muss dazu geführt haben, dass ich ihn nach den üblichen Indoor-Aufnahmen zu einem abschließenden Stimmungsfoto auf den Berliner Boulevard Unter den Linden bat. Es war Herbst, der Baum sah traurig aus, das Laub welkte zu seinen Füßen. So entstand ein „Sinn-Bild“, das genau das zeigt, wofür Herr Sinn nun im negativen Sinne ausgezeichnet wurde.
Der Chef des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung erhalte den Umweltpreis, weil er dem Ansehen und den Verdiensten des Natur- und Umweltschutzes nachhaltig schade. Weil er hemmungslos seine veralteten Theorien vom alles regulierenden Markt verbreite und keine Gelegenheit auslasse, moderne Umweltpolitik in der Öffentlichkeit zu attackieren. Weil er erneuerbare Energien grundsätzlich in Frage stelle und ihre positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt eben einfach als Humbug bezeichne. Soweit die Begründung des Naturschutzbundes für diese Ehrung, die er seit 1993 sowohl für Einzelleistungen als auch Gesamtwerke vergibt, die sich in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben.
Hans-Werner Sinn wird mir verzeihen. Er hat den Preis weder angenommen noch kommentiert, und mir steht es nicht zu, das Thema zu bewerten. Aber als nüchterner Ökonom wird er mir zustimmen, dass dieses Foto vor dem Baum in Berlin die ganze Sache präzise auf den Punkt bringt.