„Schnelle, neue Mappen!“
Film 1
Film 2
Gute alte Mappe!
Früher klemmte sich der Fotograf von Zeit zu Zeit seine dicke Mappe unter den Arm. Und machte sich auf den Weg. In die Welt der Agenturen, Verlage und Product Manager. Einmal am Empfang vorbei platzierte er sich vor dem großen Schreibtisch des Art Direktors. Grinste und schob seine Karte hinüber. Die Kontaktassistentin mit dem Silber-Laptop brachte einen leckeren Kaffee. Ein Junior hockte sich dazu. Man quatschte ein bisschen über große Kampagnen, peinliche Flops, unfähige Konkurrenz und die hippen Kreativkameraden. Kurz bevor es zu gemütlich wurde, räusperte sich der Lichtbildner. Stemmte seine edlen Werke unter Klarsicht in Leder hoch. Das große Blättern begann. Stirnrunzeln. Hüsteln. Ach, das ist von Dir. Schönschön. Geiles Licht. Wie geht das? Kann man loben. Die Kleine hatten wir schon mal. Gar nicht so schwierig, wie sie aussieht. Soso, Wäsche kannst Du auch. Immer diese hässlichen Druckstellen. Heh, diese Wirtschaftsheinis da. Die gefallen mir. So was brauchen wir immer. Und sieh mal an. Ein kleiner Christo bist Du. Not bad, die Wrapped Buildings. Solltest Du mehr draus machen. Es klopft. Der Creative Head. Will keinen Druck machen. Aber: nächstes Meeting in 10 Minuten. Okay, hab ja was gesehen von Dir. Noch ein paar Fragen auf die Schnelle. Equipment? Formate? Machst Du’s auch noch analog? Wie ist Dein Tagessatz? Hoho. Nächste Woche schon was vor? Gut, Deine Nummer hab ich ja. Muss ins Konfi. Siehst ja, was hier los ist. Schade, dass man nie Zeit hat. Bis dann. Du hörst von mir. Weg war der Art Direktor. Zu war die Mappe. Langsam erhob sich der Fotograf und folgte dem Silber-Laptop zum Ausgang. Die große Glastür schloss sich hinter ihm. Wieder einmal hatte er keine Ahnung. Ob das nun gut oder schlecht gelaufen war. Ob er was hören würde oder nicht. Aber als er hinaus ins wilde Leben trat, hatte er eine Idee. Das Ding könnte man ja auch anders aufziehen. Sozusagen umgekehrt. Schick doch erst mal die Mappe alleine los. Und zwar digital. Dann können sie blättern und gucken und reden. Alle. Wann immer sie Zeit haben. Bevor sie Dich anrufen und es losgeht.
I shot the Dino……but I Didn’t Kill The Tree Behind Him!

Als ich Hans-Werner Sinn Ende 2004 für die Wirtschaftswoche porträtierte, konnte ich nicht ahnen, dass der Naturschutzbund Deutschland ihn nun zum „Dinosaurier des Jahres 2009“ küren würde. Aber irgendetwas muss dazu geführt haben, dass ich ihn nach den üblichen Indoor-Aufnahmen zu einem abschließenden Stimmungsfoto auf den Berliner Boulevard Unter den Linden bat. Es war Herbst, der Baum sah traurig aus, das Laub welkte zu seinen Füßen. So entstand ein „Sinn-Bild“, das genau das zeigt, wofür Herr Sinn nun im negativen Sinne ausgezeichnet wurde.
Der Chef des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung erhalte den Umweltpreis, weil er dem Ansehen und den Verdiensten des Natur- und Umweltschutzes nachhaltig schade. Weil er hemmungslos seine veralteten Theorien vom alles regulierenden Markt verbreite und keine Gelegenheit auslasse, moderne Umweltpolitik in der Öffentlichkeit zu attackieren. Weil er erneuerbare Energien grundsätzlich in Frage stelle und ihre positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt eben einfach als Humbug bezeichne. Soweit die Begründung des Naturschutzbundes für diese Ehrung, die er seit 1993 sowohl für Einzelleistungen als auch Gesamtwerke vergibt, die sich in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben.
Hans-Werner Sinn wird mir verzeihen. Er hat den Preis weder angenommen noch kommentiert, und mir steht es nicht zu, das Thema zu bewerten. Aber als nüchterner Ökonom wird er mir zustimmen, dass dieses Foto vor dem Baum in Berlin die ganze Sache präzise auf den Punkt bringt.
